27. April 2011

Museum Paul Gugelmann



Das Paul Gugelmann-Museum zeigt das Schaffen und die Werke des 1929 geborenen Paul Gugelmann, der lange Jahre für die in Schönenwerd gegründete Schuhfabrik Bally tätig war. Die ausgestellten kleinen und grösseren, meist beweglichen skurrilen Skulpturen muten poetisch an. Das alte, stilvoll restaurierte Gebäude allein ist ein Kleinod.

Es ist ein Surren und Zischen, ein Pfeifen und Rattern. Ein Gewirr von Zahnrädern, Kupfer- und Messingdrähten kommt in Bewegung, Hämmerchen schlagen auf Seiten, dort erzittern alte Türbeschläge, hier klimpern Kristalle ausgedienter Kronleuchter. Wenn Paul Gugelmann die ersten seiner poetischen Maschinen
in Gang setzt, bleibt die Zeit stehen. Es ist, als gingen längst vergessene Kindheitsträume in Erfüllung. «Vielleicht sollten wir weitergehen, da kommen noch einige mehr», mahnt der Künstler nach einem Weilchen sanft. Der 81-Jährige weiss, dass seine Gebilde jeden in Bann ziehen, der sie betrachtet.
All die klingenden, agilen Wunderwerke im Museum Gugelmann in Schönenwerd SO hat er eigenhändig gebaut. Am Anfang steht immer eine Vision, aber ein Bauplan ist nicht nötig: «In meinem Kopf läuft schon alles. Ich muss die Maschine nur noch bauen, damit auch andere sie sehen können.» Dabei ist Paul Gugelmann kein Mechaniker. Er war sein ganzes Berufsleben lang Schuh-Createur und später «Directeur Artistique» bei Bally. Lange lebte er in Paris und baute dort das Kreationsstudio von Bally auf. Doch er wollte mehr künstlerischen Freiraum und fand ihn an seinem Küchentisch: Dort baute er 1963 eine Dampfmaschine, die er für seinen Sohn gekauft hatte, in eine verrückte, wunderschöne Maschine um. Die erste von vielen.
Von Anfang an waren seine Werke unverkäuflich. Viel zu lange blieben sie deshalb in Kisten verstaut. Seit 15 Jahren sind nun rund 40 der Maschinen im Museum Gugelmann dauerhaft ausgestellt, in einem historischen Haus neben der Stiftskirche des Klosters, in dessen Seitentrakt der Künstler aufgewachsen ist. Über 100 000 Besucher kamen schon hierher.
Selbst die ältesten Modelle funktionieren noch wie am ersten Tag. «Meine Maschinen dürfen nur so genau sein, dass sie gerade noch laufen», sagt Gugelmann. Das Ungefähre sei weniger störungsanfällig als die Präzision. Und genau das verleiht ihnen ihre herzerwärmende Poesie.
und stets spielerischer Ausdruck eines tieferen Gedankens.Leise Zeitkritik im Getriebe Neben den poetischen Maschinen, die zum freien Fantasieren anregen, sind bewegte Skulpturen ausgestellt: Sie sind figürlicher Da kämpfen die «Friedenstaube und ihr Schatten», der Raubvogel, um die globale Vorherrschaft. Oder im Innern eines Turms – ists eine Kirche, ein Minarett? – zieht ein Fanatiker die Fäden, um die Festung des Glaubens «Im Namen des Herrn» ins Wanken zu bringen. Die «Geldwaschmaschine», das sind drei Männer auf einer Bank, ihr gemeinsamer Bauch ein Cello. Sie spielen scheinheilig auf, sobald jemand Münzen ins Tellerchen wirft, derweil im inneren Räderwerk klimpernd Geld verschoben wird. Am hohen Stuhl des «Fortschritts» nagt eine Säge und bringt den Forscher, der nur Augen für sein Werk hat, in Gefahr.
Leise Zeitkritik schwingt im Getriebe mit, doch niemals Groll und Bitterkeit. Die Maschinengedichte sind vielmehr auch Liebeserklärungen ans Allzumenschliche: Bei Paul Gugelmann weiss Eva, wie sie ihren Adam raffinierter verführen kann als mit einem Apfel. Und in der Büste mit den «Sieben Hauptsünden» verbirgt sich die Wollust neckisch hinter einem Schlüsselloch. Die Reise durch das durchaus kindgerechte Gugelmannsche Universum ist für Erwachsene ebenso genüsslich, weil es voller subtiler Anspielungen ist und zugleich das Kind im Mann und in der Frau aufjauchzen lässt.
Das Schöne an diesem Museums-Bijoux: Weil jede Maschine einzeln in Bewegung gesetzt werden muss, besucht man die Ausstellung immer mit Begleitung.
Manchmal ist es der Künstler selbst. Meist sind es engagierte Freiwillige. Welches andere Museum verfügt über eine Familie von 50 Führerinnen und Führern, die die Ausstellungsstücke lieben wie ihr Erschaffer?
Kein Wunder, machen manche Besucher die Führung gleich zweimal hintereinander mit, um noch etwas länger in der Zauberwelt bleiben zu dürfen.

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